Alle, die sich in den 80ern nicht mehr so ganz heimisch fühlen, können sich in der Zeitreise ein bisschen an Dates und Facts aus den Jahren 1980 bis Ende 1984 erinnern. Hier aber schon mal eine kleine Gedächtnisstütze. Da gab´s:

  • den Zauberwürfel,
  • den C-64,
  • die Neue Deutsche Welle,
  • die Öko- und Biorevolution,
  • Punks, Waves und andere nette Leute,
  • Monchichis,
  • Buttons (an der Jeansjacke),
  • E.T. ,
  • Michael Jackson war noch ein Schwarzer,


Links und Linksammlungen zu dem Thema bestehen bereits, so dass ich sie hier nicht nochmals alle aufführe. Verwiesen sei aber auf www.achtziger.de, einer äusserst grossen Fundgrube für 80er Jahre, die ich sehr nett gemacht fand, sowie www.80.de und 70er - 80er.de, die mich durch einen sehr sympathischen Stil überzeugte.

Mal Sondocks Hitparade
in den Achtzigern

Es war irgendwann im Jahr 1982 (- ich war 12), da hörte ich von einem Freund, dass die Mittwochshitparade im WDR ganz prima sei. Zu der Zeit hatten wir im ganzen Haus nur ein Radio, so ein riesenklobiges Teil, natürlich Mono, aber das war egal. Ich war jedenfalls beim ersten Reinhören ganz gebannt. Wovon genau kann ich nicht mal so sagen, es war eben das Alter in dem man (seinerzeit...) anfing sich für Musik zu interessieren.

Ich stieg ungefähr da ein, wo die wirklich kreative und neue Phase der "Neuen deutschen Welle" schon vom Kommerz-Pop eingenommen worden war. Das provokante Moment an Stücken wie "Der goldene Reiter" (...ich dachte dabei an sich an irgendwen, der auf einem Pferd durch die Stadt galoppierte) wurde zusehends marktgerecht geglättet und verlief sich schließlich in Kinderblödeleien wie "...mach mir doch kein Knutschfleck".

Mir war das damals ziemlich egal, ich mochte sogar Ixi (gibt´s die wohl noch...?) mit ihrem "Knutschfleck" und war von Mal eben so angetan, dass ich sogar noch zwei Platzierungen aus meiner ersten Sendung behalten habe: "Rosemarie" von Hubert Kah als Spitzenreiter und UKW mit den "Sommersprossen" gleich dahinter auf Platz zwei! Über die Reime (á la "haben wir hier schlechtes Klima, fahren wir sofort nach Lima..." ) kann man gewiß streiten, aber auch dies war mir weder klar noch hätte es in irgendeiner Weise meinen Hörgenuss geschmälert:

Ich saß auf unserer Terrasse und kam mir unheimlich in vor. Meine Anlage bestand aus jenem obengenannten Kannze-ein-mit-erschlagen-Kassettenrekorder, aber schon bald sahen meine Eltern ein, dass sie nicht immer das halbe Haus nach dem Küchenradio absuchen mochten. So bekam ich also zu Weihnachten einen eigenen, zu dem ich mir noch einen schön teuren Kopfhörer mit großer, gelber Schaumstoffohrmuschel kaufte, und beides zusammen machte schon ganz schön was her...

Mal Sondock war nach kurzer Zeit in meiner Wochenplanung nicht nur fester Bestandteil, sondern auch einer der Höhepunkte geworden. Konnte man mal nicht direkt da sein, wurde zumindest jemand beauftragt die Sendung aufzunehmen. Das hatte folgenden Haken: da eine Kassettenseite maximal 45 Minuten fasste, bekam ich nachher die letzten 10 Minuten nicht mit.

Allerdings waren da die meisten Platzierungen eh schon bekannt und man konnte sich ausrechnen, welche der übriggebliebenen Stücke auf Platz eins und Platz zwei fielen. Im übrigen interessierten die vordersten Platzierungen an sich weniger. Platz eins hatte zwar die "Ehre" Platz eins zu sein, wurde aber meist von den Nachrichten hinten "angeknabbert", so dass man selten aufnehmen konnte. Spannender war es da schon wer nun auf Platz fünf kam und somit nicht nur an, sondern auch voll ausgespielt wurde.

Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, dass im ganzen WDR-Sendebereich seinerzeit etwa die Hälfte aller 11- bis 15-jährigen den Finger auf der Pausentaste ihres Recorders hatten, um die ganz ausgespielten Songs aufnehmen zu können, wenn sie in der Sammlung noch fehlten. (Die fürchterliche Angewohnheit an Anfang und Ende in die Songs reinzuquatschen haben sich Radiomoderatoren glücklicherweise erst später einfallen lassen.)

Mein bestes Beispiel für dieses Platz-5-Gerangel ist "Ich will" von UKW . Der Song war insgesamt 14 Wochen lang in der Top12 vertreten, kam gleich zu Anfang einmal auf Platz vier oder fünf und pendelte danach meist irgendwo zwischen sechs und zehn. Wahrscheinlich aber haben ihn am Anfang nicht alle mitgeschnitten, so dass eine erkleckliche Hörer- und Postkartenschreiberschaft treu und wacker für "Ich will" votierte bis...

...ja bis der Song endlich wieder einmal auf Platz fünf angekommen war (in der 12. oder 13. Woche!). Wenngleich er danach schnell abstürzte, blieb er doch brav analog auf unzähligen C90-Bändern eingraviert und erhalten. Persönlich muss ich dazu anmerken, dass genau als Ich will noch einmal ausgespielt wurde mein Vater die Tür öffnete, den - also den Stecker - gekonnt aus der Dose zog und nach den Hausaufgaben fragte...

Apropos aufnehmen: Wenn man bedenkt, dass wir heute an einem PC sitzen, bei dem sich zahllose Audiodateien und -formate in unterschiedlichen Qualitäten abspeichern, bearbeiten, rückwärts abspielen, mit Hall unterlegenund was weiß ich noch kann, da erscheinen die berühmten "ersten Schritte" schon etwas skurril: Ich saß mit einem Freund im Zimmer seiner großen Schwester, zwei Kassettenrecorder standen eng aneinander, der eine spielte "View from a bridge" von Kim Wilde ab, der andere nahm auf; wir selbst mäuschenstill auf dem Sessel und mit Panik-P in den Augen, sobald sich irgendjemand der Tür von der anderen Seite zu nähern drohte.

...aber zurück zu Mal: Vierzehn Wochen wie im Fall von UKW mit "Ich will" waren schon eine Rekordzeit. Und die längste Dauerplatzierung innerhalb der ersten zwölf Titel lag meiner Meinung nach bei 15 oder 16 Wochen, aber da lasse ich mich gern verbessern. Ich erinnere mich dunkel, dass es am Jahresende jeweils eine "Best-of-Sendung" gab, bei denen die punktbesten Songs des vergangenen Jahres noch mal gesendet wurden. Und kurz vor Einstellung der Hitparade gab es eine Art "Best-of-best-of"-Special (damals nannte sich das natürlich noch Sondersendung oder Jahresrückblick ). Welcher Titel Sieger dieser "ewigen Bestenliste" wurde, konnte bisher nicht geklärt werdn, jedenfalls war es nicht "Boat on the River" von Styx...

Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass Punkte und Platzierungen die Sendung dominierten. Sicher war man immer gespannt, wer stieg, wer fiel, wer war ste-hen-ge-blie-ben, aber der durchschlagende Erfolg von Mal-Sondocks-Hitparade lag sicher zuallererst in der sympathischen Moderation begründet: die urigen, fehlerhaften Ausdrücke und der Dialekt. ("Oui alt bizz Douu, säkszeeyyn...?") trugen maßgeblich dazu bei, dass Mal Sondocks Hitparade so unheimlich viel mehr an Atmosphäre hatte als zum Beispiel die "Schlagerrallye" montags.

Mals Moderation mag aus heutiger Sicht etwas altväterlich wirken, den Ton und Nerv einer jungen Hörerschaft hat er immerhin ein viertel Jahrhundert lang getroffen. Das kann sich mehr als sehen lassen. Die Tonträger waren noch Mono und spielten Elvis und Bill Haley, als Mal bereits populäre Moderationen machte.

Euer David

So funktionierten MSH und DIW
Mal Sondocks Hitparade...

"Mal Sondocks Hitparade" (MSH) war die Nachfolgesendung der "Diskothek im WDR" (DIW). Sie wurde von 1980 bis 1985 immer mittwochs von 20.05 Uhr bis 21.00 Uhr im WDR2-Hörfunk gesendet. MSH war eine Hörerhitparade, dass heisst: die Hörer schickten jeweils eine Postkarte mit ihrem Lieblingstitel und gaben ihm damit sozusagen eine Stimme . In der Sendung wurden jeweils die besten 12 Titel benannt: die Plätze 12 bis 7 wurden hierbei am Anfang der Sendung in Art eines "kleinen Countdown" kurz angespielt. Die Plätze 5 bis 1 wurden im Laufe der komplett ausgespielt, allerdings nicht direkt hintereinander, sondern jeweils unterbrochen von Neuvorstellungen , dem dazugehörigen Telefontipp , der LP der Woche und dem Jackpottspiel:

Neuvorstellung
Wie der Name es andeutet, handelte es sich hier um einen neuen Musiktitel, der als Newcomer vorgestellt wurde. Viele Interpreten legten noch einen kleinen "Gruss" dabei.
Telefontipp
Im Telefontipp gab ein in der Sendung angerufener Hörer seine Meinung darüber ab, ob die Neuvorstellung ein Hit oder eine Niete werden würde. Als Dankeschön für´s mitmachen gab´s dann eine WunschLP.
Jackpott
Im Jackpottspiel wurden gleich mehrere LPs verlost. Hierfür wurden aus den zugesandten Postkarten 10 ausgewählt, auf denen sich neben der Adresse und dem Musiktitel jeweils eine Zahl zwischen 1 und 20 als "Glückszahl" befand. Ein Hörer (oder eine Hörerin) ermittelten nun in der Sendung - quasi als Glücksbringer/in - die mit Hilfe von "Rudi" die aktuelle Glückszahl. Trug eine der gezogenen Karten die Glückszahl, so gewann sie den Jackpott von mehreren LPs.
Rudi
"Rudi Roboter" wurde innerhalb der Sendung oft für Standardansagen benutzt. ("Telefontipp!", "Jackpott!", "Nummer eins", etc.)
Die in klassischer Roboterart verzerrte Stimme - wahrscheinlich ein Phaser gekoppelt mit einem Harmonizer - kam vom Tonband und konnte per Knopfdruck aufgerufen werden. Hierzu als Beispiel im Downloadcenter: "Mals Adresse")
LP der Woche
Eine aktuelle LP wurde als "LP der Woche" und in verschiedenen Ausschnitten vorgestellt. Oft wurde auch hier ein kleiner Gruss des Interpreten eingespielt.
Etwa in der Reihenfolge: Platz 5 ausgespielt, Neuvorstellung, Platz 4, Jackpottspiel, Platz 3, zweite Neuvorstellung, Platz 2, LP der Woche, Countdown (von 12 runter nach 1), Platz 1... wurde die Zeit bis 21.00 Uhr schön und spannend gefüllt.
Einmal jährlich gab es zwei Sondersendungen: die Oldiesendung, in der statt einer aktuellen die Oldiehitparade gesendet wurde: wieder entschiedenm die Hörer per Postkartenbeteiligung über die Platzierungen, aber natürlich gab es keine Neuvorstellungen...
Die zweite Sondersendung war der "Jahresrückblick", indem sozusagen eine Top12 des Jahres gesendet wurde. Hierzu wurden die Postkarten eines Jahres statistisch ausgewertet und so eine best-of-Auswahl ermittelt..

Diskothek im WDR
Die Diskothek im WDR funktionierte zumal als Lifesendung nach einem ganz anderen Schema:
Neben dem Publikum, dass sich in einer atmosphärischen Geräuschkulisse stets bemerkbar machte gab es eine Jury aus mehreren Gästen, die die jeweiligen Neuvorstellungen zu beurteilen hatten.
Selbiges tat die Jury dann sehr lautstark, nämlich durch Hupe (Niete...) und Klingel (Hit!). Die Jury bestand aus fünf Personen, so dass jeweils eine klare Mehrheit zustande kam. Hupte es also fünfmal nach einer Neuvorstellung, so war das genauso Nietenverdächtig wie fünfmal klingeln einen wahrscheinlichen Hitz einläuteten.
Zu bemerken ist ansonsten nicht nur die Tatsache, dass statt einer Top 12 die Top 20 an- bzw. ab Platz Nummer 8 ausgespielt wurde, sondern dass auch seinerzeit diverse Jingles mit literarisch wervollen Reimen benutzt wurden: Ein Hit, ein Hit, ein Superhit..., Hitititit...(ausklingend), oder Nicht mal die Halbe Miiiiiieete, Niiiiiiieete, Niiiieeeete...., (versumpfendes Synthigegrummel).
Schon damal allerdings war das Timing bezüglich der Nummer eins genauso schlecht (pardon...) wie nachher in der "Mal Sondocks Hitparade", allerdings wurden in der "Diskothek" auch Veranstaltungshinweise verlesen, was meiner Meinung nach in der "Hitparade" nicht mehr der Fall war.

 

...zum Schluss

Wenn man die beiden Sendungen nebeneinanderstellt und bewerten möchte, so kann man an sich nur beide in ihrer jeweiligen Zeit und Entwicklung gut oder schlecht finden.
Den grössten Wandel, der sich innerhalb der 25 Jahre ereignete, war sicher der von einem Life-event hin zu einer Studiosendung. Dementsprechend verlagerte sich die Einbeziehung der Hörer von einem Life-Publikum zum Radiopublikum. Nicht mehr die Jury vor Ort macht mit, sondern die Televontipper, die aus ganz NRW sozusagen mit ins Studio kamen.
Ihrem Kern ist die Sendung allerdings immer treu geblieben: Neue Songs vorstellen. Die jeweilige Hitparade abspielen, Hörer zu Wort kommen lassen, die eine oder andere Geschichte über irgendwelche Bands oder Künstler zm Besten geben, also schlicht: gut zu unterhalten. Mit wachsender Bedeutung ist auch die Beteiligung der Bands selber mehr in den Vordergrund gerückt: Neuvorstellungen wurden mit einem kleinen Gruß versehen und so auf die hoffnungsvolle Reise in die Top Ten geschickt. Und dann ging´s um die schlichte Frage: Hit oder Niete...?